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Der FREIbrief ist tot, lang lebe HAINRICH. Zugegeben, nicht besonders originell, aber irgendwie wahr...
Als 1997 die Dezemberausgabe des FREIbriefs erschien, war uns nicht klar, dass es seine letzte Nummer werden würde, obwohl das Cover dieser Ausgabe Kassandra zur Ehre gereichte (zu sehen war ein im Absturz begriffener Mensch). Jedenfalls gab es nie ein Nachwort, dass den FREIbrief angemessen würdigte. Nun, 7 Jahre später soll dies nachgeholt werden.
Der FREIbrief! Als Schülerzeitung gescholten und verkannt, ursprünglich nur als Ersatz für seinen großen, damals aber noch zwangsweise stummen Bruder Radio FREI gedacht, immer in dessen Schatten und dennoch sein avantgardistischer Anwalt, zog der FREIbrief aufs Land, wurde Verkünder neuer Erfolge beim planmäßigen Aufbau der jungen Kooperative. Am Konkurrenzdruck auf dem bundesdeutschen Zeitungsmarkt lag es nicht, daß der FREIbrief das Zeitliche segnete (er war sowieso konkurrenzlos). Vielmehr wurde er nicht mehr ausreichend mit Texten durch die werten AutorInnen gefüttert. Mitten im damaligen kasinokapitalistischen Boom erlag der FREIbrief einer bereits überwunden geglaubten realsozialistischen Krankheit: dem Angebotsmangel.
Nun, der Kasinokapitalismus wurde auch nicht wesentlich älter und folgte alsbald dem Vorbild des FREIbriefs. Nach dem Platzen der Börsenblase zum Millenium wurde der Blick wieder frei auf die krisenhafte Wirklichkeit des Spätkapitalismus. „Die fetten Jahre sind vorbei“ trällern die cineastischen Spatzen von den Dächern und orchestrieren damit die schöne neue Welt der edlen Freiheits-Krieger und ihrer Terrorbrüder; jedes Jahr werden neue arbeitsterroristische Folterinstrumente, pardon: Modelle der Arbeitsmarktregulierung vorgestellt; der fordistische Wohlfahrtsstaat schmilzt wie Wassereis im Toaster und die linken Umverteilungsideologen wissen kontrafaktisch, dass Geld genug und Arbeit für alle da sei, um die Illusion zu nähren, dieses gemeingefährliche Irrenhaus der Vernünftigen wäre mit einer fetten Spende von Oben nach Unten noch zu retten. Dabei sind es doch die Mittel der Vernunft (also Arbeit und Geld) selber, die uns in einen Schlaf wiegen, der Ungeheuer gebiert.
Bei alledem drängt sich die Frage auf: „Wo bleibt da das Positive?“ und die Versuchung läge nahe, an dieser Stelle mit der Kooperative Haina als Teillösung aufzuwarten. Ja, das wäre einfach - aber falsch. Richtiger wäre sicher, dass das Positive unter diesen Umständen etwas Negatives sein müsse - eine radikale Kritik der bestehenden Verhältnisse. Auch wenn sie hier und da ansatzweise theoretisch geleistet wird, dass sie praktisch wird, ist noch nicht auszumachen.
In und unter diesen Verhältnissen leben wir nun, haben an ihnen teil, sind deren Bestandteil, wie alle anderen auch. Allerdings kann man es mit der Selbstnivellierung auch übertreiben.
Auch wenn in der Kooperative Haina kein neues und besseres Lied gesungen wird, speziell sind wir schon. Grund genug, dem Rechnung zu tragen. Kurzum, wir sind entschlossen, uns Euch wieder mitzuteilen; damit Ihr wisst, wie es um uns steht, was und wie wir´s treiben; damit der Kontakt mit Euch nicht abreißt und Ihr (ab und zu) anreist. Ein Brief wird es also bleiben. Anders als beim FREIen werden darin vornehmlich unsere Akt- und Passivitäten in schriftlicher Form zur Sprache kommen. Ein Brief ist es umsomehr, als dass kein Abo verlangt ist (seit wann können Briefe abonniert werden?). Ihr kriegt das Ding zugeschickt - wenn Ihr wollt. Wenn nicht, sagt bitte Bescheid, das spart Geld, daß wir ohnehin nicht haben. Wer den HAINRICH kriegen will, unsere Kosten aber schonen, kann auch eine Internet-Ausgabe runterladen und sich ausdrucken.
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