Hainrich 03: Landwirtschaft und Photovoltaikanlage
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Alles über das Werden und Sein der Landwirtschaft in der Kooperative Haina. Außerdem: Strom aus der Sonne - das Photovoltaikanlage-Projekt.

Angefangen hat ja alles mit einem Schwein... Nach unserem kollektiven Schritt aufs Land wollten wir uns nicht mehr mit Aldi-Wurst begnügen; also entrümpelten wir den alten Stall, stellten eine Muttersau hinein und schon nahmen alle Laster ihren Anfang - noch heute dümpelt ihr Name in Gestalt diverser Paßwörter durch unsere Computer. Die für uns Städter ungewohnte Fülle an Platz um uns herum bot nun auf einmal die Möglichkeit, den bislang in Schreibtischschubladen versteckten Mäusezoo ans Licht zu holen und um „richtige“ Tiere zu erweitern. So gesellten sich zu dem Schwein neben den Katzen denn auch bald einige Hühner und Gänse, eine geschenkte Ziege und eine geborgte Kuh.
Getragen von der kollektiven Euphorie des Selber-machen-könnens stopften wir in alle erdenklichen Ecken Tiere und versuchten diese für uns kulinarisch nutzbar zu machen: dem ersten selbst gelegten Ei folgte die Wurst und bald auch schon tropfte der erste eigene Käse in unserer nicht gerade sehr amtshygienisch tauglichen Küche. Da dieser recht bald recht lecker wurde und weil einige von uns sich vehement dafür einsetzten, kamen immer mehr Ziegen auf den Hof und mauserten sich zu einer richtigen Herde mit allem, was das so nach sich zieht: Heu machen, Weidezäune bauen, Futterrüben ernten und (zur Freude aller) zwei Mal im Jahr den Stall per Hand und Mistgabel ausmisten. Schon bald war auch den am meisten Euphorisierten klar, daß das alles ja nicht nur Freude macht, sondern auch jede Menge Zeit verschlingt, Geld kostet und öfters auch krumme Rücken produziert.
Also gingen wir einen Schritt weiter - um den Käse auch offiziell verkaufen zu können und die Arbeitsfläche in unsrer Küche vom Käse zu befreien, entschieden wir uns, in dem ehemaligen Bad eine „richtige“ Käserei einzurichten. Dabei war das Argument, mit dem Verkaufserlös wenigstens zum Teil die Ausgaben für die Tierhaltung wieder einzuspielen nur eines unter vielen. Es war ja nicht abzusehen, ob sich überhaupt irgend jemand bis in unser lauschiges Tal verirren würde, um hier Käse zu kaufen; außerdem hatten wir die Landwirtschaft nicht angefangen, um damit Geld zu verdienen, sondern um uns und unsere Freunde mit etwas reellem ernähren zu können. Ein mindestens ebenso wichtiges Argument für den Bau der Käserei war der Wunsch, unter guten Bedingungen käsen zu können: gut für die Käserinnen und gut für den Käse. Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt; mittlerweile gelingen auch so anspruchsvolle Sorten wie Camembert und Hartkäse - in unserer Küche wäre dies undenkbar.
Natürlich gab es in schöner Regelmäßigkeit die Diskussion, ob es nicht viel sinnvoller wäre, „das Zeug“ (sprich: die Lebensmittel) ganz normal im Laden zu kaufen, „wie alle anderen auch“. Angesichts der lächerlich niedrigen Lebensmittelpreise ein nicht leicht von der Hand zu weisendes Argument. Gleiches galt (und gilt) jedoch auch für die geschmacklichen und inhaltlichen Unterschiede, mal ganz abgesehen von den Bedingungen für Menschen, Tiere und Natur, unter denen das „ganz normale Zeug“ hergestellt wird - ein Blick in eine Schweinemastanlage macht nun mal keinen Appetit auf Schnitzel.
Also endeten diese Diskussionen mit ebenso schöner Regelmäßigkeit damit, daß die, denen es so wichtig war, sich doch auch bitte darum kümmern sollten. Waren dies am Anfang noch die meisten, so wurden es mit den Jahren immer weniger. In den ersten Jahren melkten immer zwei die Ziegen noch per Hand; eine eigentlich recht nette Beschäftigung, konnte man doch dabei schwatzen und tratschen. Auch Gästen bot sich hierbei recht schnell die Möglichkeit, mit dabei zu sein. Als sich jedoch die Tage und Wochen häuften, in denen eine sich alleine damit abquälte, griffen wir auf die Technik zurück: eine gebrauchte Melkanlage verringert seitdem nicht nur die zum Melken notwendige Zeit, sondern schont auch die Handgelenke. Ähnliches traf auch auf andere Bereiche zu - statt hemdsärmeligem In-die-Hände-Gespucke nun vermehrter Technikeinsatz. Beispiel Heu: einen hoch mit losem Heu beladenen Hänger in der Abenddämmerung davonzuckeln zu sehen ist sicherlich sehr schön - eine Ballenpresse mit Aufzug verringert jedoch den kollektiven Einsatz von Hirn, Muskeln und Nerv beträchtlich.
Doch eines ließ sich auch durch Technik nicht beheben - der alte Stall war nicht nur klein (mehr als 16 Ziegen konnten wir darin nicht guten Gewissens über den Winter bringen, die Kühe mußten wir anbinden ...) sondern auch denkbar schlecht für Ziegen geeignet. Diese sind Bergtiere, brauchen also Bewegung und frische Luft; vor allem letzteres war immer ein Problem. Gerade nach der Ablammung im Winter, wenn sich auf einen Schlag mehr als doppelt so viele Tiere wie sonst sich im Stall tummelten, waren die Zustände eigentlich unhaltbar, eine wirkliche Perspektive bot sich nicht.
Hinzu kam, daß wir uns vor etwa drei Jahren nur noch zu dritt beim Melken sahen - ein unhaltbarer Zustand angesichts des täglichen Arbeitsaufwandes und der Unlust, sich mit täglichen Routinen ausschließlich an den Hof zu ketten. Da von uns dreien jedoch keiner alles an den Nagel hängen wollte, gingen wir nochmals einen Schritt weiter: ein neuer Stall sollte helfen, den täglichen Aufwand an Zeit und Nerv zu minimieren und außerdem das bieten, was es bislang nicht gab: eine Perspektive, die Tierhaltung so entwickeln zu können, wie sie unseren Vorstellungen entsprach. Also fuhren wir durch die Lande und schauten uns einige Ziegenställe an, wälzten Bücher und ließen uns beraten; zeichneten und verwarfen Pläne und stellten schließlich einen Bauantrag, der auch problemlos genehmigt wurde.
Um die Baukosten möglichst im Rahmen zu halten, entschieden wir uns für eine offene, mit Holz verschalte Bauweise, die sich zudem recht angenehm in unser Tal einfügt. Die sehr aufwendig und schön gestaltete Rundholzkonstruktion erstellten Udo Dachdecker und seine Combo in dreimonatiger schweißtreibender Arbeit, derweil wir uns mit den Fundamenten und dem Verbuddeln der diversen Leitungen vergnügten. Wie oft habe ich mir dabei unter der glühenden Sonne im Sommer 2003 das Dach herbeigesehnt... Viele, viele kamen seitdem und haben mit geholfen, den Stall Stück für Stück benutzbar zu machen: beim Dachdecken, Betonieren, Verschalen, Schweißen, Pflastern, Mauern, Elektrifizieren und und und. Allen sei hiermit ganz, ganz herzlich dafür gedankt!
Nach nun gut zwei Jahren Bauzeit ist der Stall im wesentlichen fertig. Er bietet luftigen und sonnendurchfluteten Platz für 50 Ziegen und 3 Kühe; für Heu, Stroh und Getreide; für einen hellen Melkstand mit Blick auf´s idyllische Land und (endlich!) auch für eine geräumige und ebenfalls lichte Schlosserei. Für die Ablammung gibt es genügend Platz, die Kühe müssen nicht mehr angebunden werden und das Ausmisten übernimmt nun der Traktor. Prompt kam auch Sanne zu uns und bereichert seitdem unser Melker- und Käserinnenteam. Kurzum: Menschen und Tiere sind glücklich!
Natürlich bleibt noch einiges zu tun: der Raum zum Kühlen der Milch und Säubern der Melkzeuge muß noch gefliest, ein neuer Melkstand gebaut werden. Auch hat die Schlosserei noch keine Fenster und dem unmittelbaren Stallumfeld fehlt das ein oder andere Grün. Aber schon dämmert ein weiteres Projekt am südlichen Horizont. Mehr oder weniger unbeabsichtigt bietet der Stall nämlich ein perfekt nach Süden gerichtetes Dach, was förmlich danach schreit, mit einer

Photovoltaikanlage

zur Erzeugung von umweltgerechtem Strom versehen zu werden. Denn auch der „Normale“ Strom aus der Steckdose wird ja unter Bedingungen produziert, die alles andere als lecker sind - egal ob Atom, Kohle oder Gas. Hierzu Alternativen zu entwickeln ist allemal dringend geboten. Nachdem wir mit der Rekonstruktion unserer Wasserkraftanlagen in der bürokratischen Dornenhecke eines verbeamteten Naturschutzes zunächst hängengeblieben sind (vielleicht kommt ja bald ein Prinz und die Hecke lichtet sich...), liegen wir mit der Photovoltaik voll im Strom der Zeit. Keine Genehmigung ist von Nöten und dank eines innerhalb der kapitalistischen Systemlogik betrachteten recht sinnvollen Gesetzes über die Förderung erneuerbarer Energien lassen sich die hohen Anschaffungskosten in doch immer noch überschaubarer Zeit wieder hereinholen.
Sicherlich hat auch diese Technologie ihre Haken, so gibt es z.B. keinen Strom, wenn es dunkel ist - eine Wasserkraftanlage dagegen liefert auch nachts Strom - sinnvoll ist der Einsatz also nur innerhalb eines Energie-Mixes. Auch basiert die ganze Anlage auf extremer Hochtechnologie: weltweit sind nur 5 Werke derzeit in der Lage, das für die Module notwendige Silizium in Reinform herzustellen, was natürlich zu einer enormen Abhängigkeit vom Weltmarkt führt. So klettern die Preise für Module Jahr für Jahr in die Höhe, u.a. deshalb, weil China massiv auf den Einsatz erneuerbarer Energien setzt (was an sich ja nur begrüßenswert ist). Zudem nutzt eine solche Anlage nur rund 10 % der Sonnenenergie aus, Tendenz allerdings stetig steigend. Immerhin ist in den letzten Jahren der Einsatz von Energie bei der Herstellung der Module derart gesunken, daß eine Anlage normalerweise innerhalb von 3-4 Jahren soviel Energie erzeugt hat, wie zu ihrer Produktion, Montage und zukünftigen Entsorgung benötigt wird - in den 60er Jahren verschlangen die Module für die Satellitentechnik noch mehr Energie, als sie jemals produzieren konnten. Da im Gegensatz z.B. zur Atom-Technologie in diesem Bereich auch kaum öffentliche Fördergelder verfügbar sind, werden sich Verbesserungen hier auch nur erzielen lassen, wenn mehr Anlagen verkauft werden, sich Forschung in diesem Bereich für die Industrie also „rechnet“. Der Kapitalismus läßt schön grüßen.
So haben wir uns also entschlossen, bei dem Spiel mitzuspielen und möchten Euch um Eure tatkräftige Unterstützung, sprich um Euer Geld bitten. Doch zunächst die Fakten in Zahlen: Wir haben uns entschlossen, zunächst nur eine kleinere Anlage zu installieren, die pro Jahr ca. 9.000 kWh ins öffentliche Stromnetz einspeist - dies ist ca.1/3 von dem was wir verbrauchen. Da diese Anlage jedoch nur 1/3 der Dachfläche benötigt, könnten wir in den nächsten Jahren noch erweitern und somit auch so viel Strom hier erzeugen, wie wir verbrauchen; dies ist jedoch Zukunftsmusik. Den Großteil des Geldes werden wir wohl bei einer Bank leihen - zum 1. Mal in unserer Geschichte. Die leiht uns das Geld aber nur, wenn wir 30 % der Kreditsumme als Eigenanteil selber aufbringen - und da hoffen wir auf Eure Hilfe. Insgesamt sieht es wie folgt aus:

Gesamtkosten

50.000,- €

Finanzierungsmodell
Bankkredit 4% verzinst

35.000,- €

mindestens notwendiger
Eigenanteil

15.000,- €

zu erwartende jährliche
Einnahmen Stromvergütung
nach Einspeisegesetz
(9.000 kWh x 51,8 ct)

4.662,- €

dies wird die ersten 10 Jahre
benötigt für Versicherung,
Rücklage für Reparaturen

250,- €

Kredittilgung und Zinsbelastung

4.412,- €

Somit können wir den Bankkredit innerhalb von 10 Jahren zurückzahlen, schenken der Bank im Laufe dieser Zeit allerdings auch fast 10.000, € ... Da der Einspeisevertrag über 20 Jahre abgeschlossen wird, bleiben uns dann noch 10 Jahre, in denen wir die restlichen Darlehen zurückzahlen können bzw. das Geld aus der Einspeisevergütung für unsere Projekte zur Verfügung haben. Die Anlage sollte auch darüber hinaus noch Strom erzeugen - falls uns den dann keiner abkauft, können wir ihn immerhin noch selber verbrauchen.
Deshalb nun also unsere Bitte: Solltet Ihr die Möglichkeit haben, uns finanziell bei diesem Projekt zu unterstützen, so bieten sich Euch zwei Möglichkeiten: zum einen freuen wir uns über zinslose Darlehen, die wir aus der Einspeisevergütung zurückzahlen werden. Über genaue Konditionen und Laufzeiten können wir uns gerne unterhalten. Eines jedoch können wir Euch jetzt schon zusichern: als Dankeschön „verzinsen“ wir ein Darlehen jährlich mit unserem Käse - entweder per Post nach Hause oder bei einem Besuch auf unserem Hof.
Die andere Möglichkeit uns zu unterstützen sind natürlich Spenden, die es uns ermöglichen würden, die Kreditlaufzeit noch weiter zu verkürzen und somit die meist eher knappe Finanzsituation unserer Kooperative zu entspannen. Für diese Spenden stellen wir Euch gerne Spendenquittungen aus, die Ihr von der Steuer absetzen könnt (bei Fragen dazu: anrufen, schreiben oder mailen). Selbstverständlich bedanken wir uns auch hier mit einer Auswahl unseres Käses.
Nun denn also, frisch ans Werk. Da wir bis Ende Februar die Anlage verbindlich bestellen müssen (danach wird´s teurer...), wäre es gut, wenn wir recht bald wüßten, wie Ihr das Projekt seht und auf welche Unterstützung wir bauen können. Jeder Euro zählt ...

Reiko

 

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 5. Januar 2007 )